Gleich am nächsten Morgen bin ich zum Bahnhof von Kasarogod und habe mir ein Ticket von Mangalore (die nächste größere Stadt von Bekal aus) nach Bangalore reserviert und gleich gekauft. Diesmal mit Klimaanlage und wieder Schlafwaggon. Man lernt aus seinen Fehlern. Anschließend habe ich mich auf den Weg nach Bekal und mit der Hilfe meines Tuktuk-Fahrers auf die Suche nach einem schönen Hotel in Strandnähe gemacht. Leichter gesagt als getan. In meinem Reiseführer ist zwar gestanden, dass es sehr schöne Strände gibt und dass der indische Tourismus in Bekal angekurbelt werden soll, allerdings war nie die Rede von Hotels am Meer… das hätte mir vielleicht zu denken geben müssen. Gemeinerweise waren überall Baustellen mit Plakaten von schönen Hotels, die gerade gebaut werden. Die Suche hat sich also in die Länge gezogen und ich war schon fast am Ende mit meiner Geduld, als der Motorradrikschafahrer zum zehnten Mal am Strassenrand einen Einheimischen um Rat fragte. Dieser kam zu mir, sprach ausgezeichnetes Englisch und verstand endlich was ich wollte: Ein Hotel nahe am Meer. Nicht einmal viel Luxus nur am Strand. Der Mann zögerte keine Sekunde und begleitete den Fahrer und mich mit seinem Motorrad unterhalb des Bekal Forts. Da waren wir eigentlich schon zuvor und angeblich gibt es hier keine Hotels. Der nette Helfer erklärte uns, dass man jetzt nur mehr zu Fuß weitergehen kann. Ich dachte mir: „Na das kann ja was werden…“ Und nach fünf Minuten Fußmarsch standen sie plötzlich vor mir vier kleine Bambushütten mit einem großen Haupthaus. Perfekt! Wie aus dem Reisekatalog und das Meer keine 200 Meter entfernt. Ich habe also meine eigene Bambushütte für 1200 Rupien pro Nacht bezogen und war happy. Hat sich die lange Sucherei doch noch ausgezahlt.

In den nächsten zweieinhalb Tagen habe ich nichts anderes gemacht wie gegessen, gelesen und geschlafen. Mal am Strand, mal im Fort, mal in meiner Hütte. Zur Abwechslung bin ich dann in die Sonne gelegen oder ins Meer schwimmen gegangen. Einfach so richtig die Seele baumeln lassen und das Leben genießen. Da ich der einizige Gast in der „Mamma Mia“-Lodge (die italienische Besitzerin erklärt den nicht gerade indischen Namen) hat sich der Betreiber rührend um mich gekümmert und zweimal am Tag ausgezeichnete, indische Fischgerichte (je nachdem was die Fischer am morgen gefangen haben) für mich gekocht. Außerdem hat er mich mit Bier versorgt und mich abends gut unterhalten.

An meinem Geburtstag (23. September) habe ich mir zur Feier des Tages eine Ayurveda-Massage gegönnt, aber ich habe sie nicht so wirklich genießen können, da ich am Vortag in der Sonne verschlafen habe und mir einen Sonnenbrand auf Brust, Bauch und Beine zugezogen habe. Am Abend bin ich mit einer Bierflasche an den Strand unterhalb des Forts gesessen und habe den Sonnenuntergang genossen. Das war ganz anders wie meine sonstigen Geburtstage, aber auch schön. Nur habe ich auf den drei Wochen festgestellt, dass alles nur halb so schön ist wenn man es mit niemanden teilen kann. Das gilt natürlich auch für den wunderschönen Sonnenuntergang…

Eine Antwort schreiben