Um 9 Uhr wurde ich von Hariom (mein Fahrer fuer Radjasthan) in die heilige Stadt gefahren und habe meinen Fuehrer fuer den Tag getroffen. Als erstes haben wir gleich einen der wichtigsten Hindutempel Indiens besucht. Er ist Gott Brahma gewidmet und daher sehr selten. Die meisten Tempel werden naemlich zu Ehren von Shiva, Ganesha oder Vishnu errichtet. Brahma ist der Schoepfer und wird meist mit vier Koepfen dargestellt. In den indischen Tempeln sind Touristen herzlich willkommen, fotografiert werden darf aber vor allem die Darstellung der Goetter nicht. Von aussen ist kein Problem.

Pushkar selbst ist eine kleine, nette Stadt mit einem Tempel in jedem Eck (angeblich ueber 400) und an einem heiligen See gelegen, den Brahma selbst erschaffen hat. Trotz extrem schlechter Wasserqualitaet baden und trinken viele Hindus in bzw. aus dem See, um sich von ihren Suenden reinzuwaschen. Fromme Hindus pilgern mindestens ein Mal in ihrem Leben nach Pushkar, um an einem der 52 Ghats (Treppen und Gebaeude direkt am See, die nur um zu beten erbaut wurden) ihre Gebete und Wuensche den Goettern zu uebergeben. Ein Brahmane betet zusammen mit Touristen ein Mantra und bittet die Goetter um ein langes, glueckliches Leben und wenn man noch nicht verheiratet ist, um eine Frau/Mann. Ich habe natuerlich auch fuer ein langes Leben fuer mich und meine Lieben gebeten und dafuer 1500 Rupien dem Guru bezahlt. Aber auch die Inder bezahlen in den Tempeln und den Brahmanen Geld, damit sich ihre Wuensche erfuellen. Zwar wahrscheinlich nicht so viel, aber egal. Der See und die ausgelassene Stimmung der Inder rund um Pushkar (und das obwohl Eier, Fleisch und Alkohol verboten sind) ist wirklich sehenswert.

Die Inder koennen das oft nicht verstehen, dass ich alleine reise und dass ich mit 27 immer noch keine Frau habe. Hier werden die meisten zwischen 20 und 25 verheiratet und sehen ihren Ehepartner oft bei der Hochzeit zum ersten Mal. Am wichtigsten ist, dass innerhalb der Kaste (obwohl das Kastensystem von der Regierung schon lange aufgehoben wurde und alle Inder die gleichen Rechte haben) geheiratet wird. In der Stadt gibt es manchmal eine „Liebesheirat“, auf dem Land ist das unmoeglich. Da kann es schon mal vorkommen, dass 6-Jaehrige miteinander verheiratet werden. Zusammengelebet wird dann aber “erst“ mit 16.

Am Nachmittag ging es dann auf eine 5 1/2 stuendige Fahrt nach Ranakpur Knapp vor unserem Ziel sind wir mitten in einer Prozession zu Ehren von Shiva gelandet. Ich habe noch nie in meinem Leben soviele Menschen auf einem Haufen gesehen. Geschaetzte 100.000 Inder, die sich von Kopf bis Fuss mit rotem Staub oder Puder eingerieben haben, sind zu einem Tempel gepilgert. Das war echt unglaublich ueberall Menschen und der Strom hat nicht aufgehoert. Wer die indischen Verkehrsgewohnheiten kennt, der kann sich vorstellen wie chaotisch es da zugegangen ist. Die Prozession hat uns ungefaehr eine Stunde gekostet. Aber Zeit spielt in Indien nicht so eine grosse Rolle. Nach der Ankunft im Hotel habe ich nach einem kurzen Spaziergang an einem See einen wunderschoenen Sonnenuntergang genossen und die Wasserbueffel beim Baden beobachtet.

Zurueck im Hotel (echt laessig mit kleinen Bungalows und viel Gruenflaechen und mitten in der Natur) habe ich zwei daenische Studentinnen kennengelernt, die drei Monate durch Indien touren. Zusammen mit 2 jungen Indern haben wir dann den ganzen Abend „Shithead“ (= beliebtes Kartenspiel unter „Backpackern“) gespielt und viiieeel Bier dazugetrunken. Es war eine Mordsgaudi.


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