Tag 18 – 20: Ich und meine Bambushütte
November 17, 2008
Gleich am nächsten Morgen bin ich zum Bahnhof von Kasarogod und habe mir ein Ticket von Mangalore (die nächste größere Stadt von Bekal aus) nach Bangalore reserviert und gleich gekauft. Diesmal mit Klimaanlage und wieder Schlafwaggon. Man lernt aus seinen Fehlern. Anschließend habe ich mich auf den Weg nach Bekal und mit der Hilfe meines Tuktuk-Fahrers auf die Suche nach einem schönen Hotel in Strandnähe gemacht. Leichter gesagt als getan. In meinem Reiseführer ist zwar gestanden, dass es sehr schöne Strände gibt und dass der indische Tourismus in Bekal angekurbelt werden soll, allerdings war nie die Rede von Hotels am Meer… das hätte mir vielleicht zu denken geben müssen. Gemeinerweise waren überall Baustellen mit Plakaten von schönen Hotels, die gerade gebaut werden. Die Suche hat sich also in die Länge gezogen und ich war schon fast am Ende mit meiner Geduld, als der Motorradrikschafahrer zum zehnten Mal am Strassenrand einen Einheimischen um Rat fragte. Dieser kam zu mir, sprach ausgezeichnetes Englisch und verstand endlich was ich wollte: Ein Hotel nahe am Meer. Nicht einmal viel Luxus nur am Strand. Der Mann zögerte keine Sekunde und begleitete den Fahrer und mich mit seinem Motorrad unterhalb des Bekal Forts. Da waren wir eigentlich schon zuvor und angeblich gibt es hier keine Hotels. Der nette Helfer erklärte uns, dass man jetzt nur mehr zu Fuß weitergehen kann. Ich dachte mir: „Na das kann ja was werden…“ Und nach fünf Minuten Fußmarsch standen sie plötzlich vor mir vier kleine Bambushütten mit einem großen Haupthaus. Perfekt! Wie aus dem Reisekatalog und das Meer keine 200 Meter entfernt. Ich habe also meine eigene Bambushütte für 1200 Rupien pro Nacht bezogen und war happy. Hat sich die lange Sucherei doch noch ausgezahlt.
In den nächsten zweieinhalb Tagen habe ich nichts anderes gemacht wie gegessen, gelesen und geschlafen. Mal am Strand, mal im Fort, mal in meiner Hütte. Zur Abwechslung bin ich dann in die Sonne gelegen oder ins Meer schwimmen gegangen. Einfach so richtig die Seele baumeln lassen und das Leben genießen. Da ich der einizige Gast in der „Mamma Mia“-Lodge (die italienische Besitzerin erklärt den nicht gerade indischen Namen) hat sich der Betreiber rührend um mich gekümmert und zweimal am Tag ausgezeichnete, indische Fischgerichte (je nachdem was die Fischer am morgen gefangen haben) für mich gekocht. Außerdem hat er mich mit Bier versorgt und mich abends gut unterhalten.
An meinem Geburtstag (23. September) habe ich mir zur Feier des Tages eine Ayurveda-Massage gegönnt, aber ich habe sie nicht so wirklich genießen können, da ich am Vortag in der Sonne verschlafen habe und mir einen Sonnenbrand auf Brust, Bauch und Beine zugezogen habe. Am Abend bin ich mit einer Bierflasche an den Strand unterhalb des Forts gesessen und habe den Sonnenuntergang genossen. Das war ganz anders wie meine sonstigen Geburtstage, aber auch schön. Nur habe ich auf den drei Wochen festgestellt, dass alles nur halb so schön ist wenn man es mit niemanden teilen kann. Das gilt natürlich auch für den wunderschönen Sonnenuntergang…
Tag 15 – 17: Ernakulam, Kochi und die schlimmste Zugfahrt meines Lebens
November 13, 2008
Den ersten Tag nach der langen Zugreise habe ich im Bett verbracht. Das Zimmer war zwar nicht so toll, aber das war mir in diesem Moment egal. Einfach nur schlafen… Am Abend bin ich dann ein bisschen durch die Stadt gelaufen und nach dem wieder einmal sehr leckerem Essen mit einem ganzen Rudel Studenten am Tisch, die alle Fotos mit mir machen wollten, bin ich ins Kino gegangen. Diesmal eine Liebeskomödie, bei der ich leider nicht so ganz mitgekommen bin, da Gespräche und Briefeschreiben im Vordergrund gestanden sind (mein Hindi ist einfach nicht so gut). Nichtsdestotrotz war das Kino toll. Wie am Schluss der Held und das schöne Mädchen nicht zusammen gekommen sind, ist ein großes, trauriges Raunen durch die Reihen gegangen.
Den nächsten Vormittag habe ich im Internetcafe verbracht und meinen Blog ein wenig aktualisiert (bin aber nicht viel weiter gekommen). Am Nachmittag bin ich mit der Fähre zum Fort Kochi gefahren und muss sagen ich war zum ersten Mal auf meiner Reise enttäuscht. Sehr dreckig, viele Einheimische auf Touristenfang und leider ein sehr heruntergekommenes Fort. Das einzig Sehenswerte waren die riesigen, chinesischen Fischernetze, die an großen Baumstämmen fixiert sind und im Wasser versenkt und dann von sechs Mann wieder heraufgezogen werden. Diese Netze zeugen von den Handelsbeziehungen mit China aus dem 14. Jahrhundert. Natürlich wollen die „Fischer“ für ihre „Arbeit“ auf entschädigt werden… Ansonsten viele Läden und Kirchen (Kochi war portugiesisch), aber alles ohne jeglichen Charme. Nachdem ich Kochi per Schiff durch den großen Industriehafen wieder verlassen habe, ist mir bewußt geworden, dass ich in den letzten Tagen meiner Reise agr nichts mehr anschauen möchte, sondern einfach am Strand ein bisschen relaxen will.
Nichts wie in die nächsten Touristeninformation (diesmal eine staatliche) und schöne Strände im Norden raussuchen lassen. Der überaus „topmotivierte“ Beamte hat genau gar keine Lust gehabt mir zu helfen. Das einzige was er zu mir gesagt hat ist: „Beaches – Bekal“. Ich habe daraus geschlossen, dass die schönsten Strände im Norden von Kerala wohl in Bekal sein werden. Da es schon relativ spät war, bin ich noch einmal in dasselbe Restaurant wie am Vortag (habe diesmal köstliches Lamm-Massala mit Fried Gemüsereis gegessen) und anschließend ins Bett.
Am nächsten Morgen wollte ich so schnell wie möglich weg und bin deshalb gleich zum Bahnhof ein Zugticket kaufen, in den English-Bookstore Nachschub an Büchern besorgen, noch einmal ins Hotel meine Sachen und die gewaschene Wäsche abholen und dann zum Südbahnhof auf den 14-Uhr Zug. Im Gegensatz zu den anderen Zugreisen habe ich hier keinen Sitzplatz und kein Klimaanlagenabteil reservieren können (da ich ja am gleichen Tag abgefahren bin), sondern ich bin mit rund 250 Indern ein offenen Waggon gequetscht worden. Da passiert wenn man in Indien kurzfristig Zugfahren will bzw. muss. Die ersten eineinhalb Stunden waren der absolute Horror. Es war so eng, dass ich nicht einmal den Rucksack (hatte inzwischen rund 18 Kilogramm) abnehmen konnte. Der Riese am Rücken und bei jeder Haltestelle ein Gedränge, dass man denkt man wird auf der Stelle erdrückt. Durch die hohe Anzahl an Personen auf engstem Raum ist die Temperatur im Waggon natürlich dementsprechend gestiegen. Gefühlte 50 Grad Celsius. Da man sich weder bewegen noch umfallen kann spürt man den Schweiß aus jeder einzelnen Pore kommen und langsam an sich selbst in kleine Bächen runterrinnen. Aber es nützt alles nichts, i-Pod ins Ohr und in Geduld üben. Zum Glück ist es dann „etwas weniger voll“ geworden, sodass ich den Rucksack zumindest vor mir auf den Boden stellen konnte. Nach weiteren zwei Stunden ist auf Grund einer Sicherheitskontrolle, die wegen dem Selbstmordattentat in Islamabad (Pakistan) vom Vortag in allen Zügen mit Bombenspürhunden durchgeführt wurden, im Gepäckfach ein Platz frei geworden. Trotz der Anschläge (Dehli und Islamabad) muss ich sagen, dass ich mich während meiner gesamten Reise nie wirklich unsicher (okay vielleicht bei der ersten Taxifahrt
…) gefühlt habe. Außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass es mich unter 1,3 Mrd. Inder bei einem Bombenanschlag erwischt , ist wohl verschwindend gering und wenn, dann soll es wohl so sein. Auch die Kriminalitätsrate scheint nicht allzu groß zu sein. Zumindest habe ich nichts mitbekommen. Zurück zur Zugfahrt: je länger ich unterwegs war, umso angenehmer wurde die Reise. Weniger los, kaum mehr Gedränge bei den Bahnhöfen. Das bedeutet aber zugleich mehr Raum für Gespräche und ich durfte wie immer diesselben Fragen beantworten. Mit einem sehr netten 20-Jährigen habe ich mich dann länger unterhalten und nach sechs Stunden Stehen konnten wir uns endlich in die offene Waggontüre auf die Stufen setzen. Nachdem es mittlerweile dunkel war, haben wir zwar nicht viel von der Landschaft mitbekommen, aber Brücken sind besonders spannend wenn man auf den Stufen der Türe sitzt. Da das Wasser untereinem komplett schwarz ist, hat man das Gefühl als ob man fliegen würde. Sandosh (so der Name meines Begleiters) hat mir dann auch geholfen, herauszufinden wann der Zug in Kasagorod (Nachbarstadt von Bekal) ankommt. Nach insgesamt neun Stunden Zugfahrt war ich endlich am Ziel und fix und fertig. Nur mehr in eine Motorrikscha, in irgendein Hotel und ab ins Bett.
Im Zug: 36 Stunden Zugfahrt
November 13, 2008
Zum Glück hatte ich einen Schlafwaggon mit Klimaanlage. Das ist schon mal viel Wert. Entscheidend sind dann natürlich auch die Mitreisenden mit denen man sich die sechs Betten, die übereinander bzw. gegenüber hängen, teilt. Und auf dieser langen Zugfahrt habe ich großes Glück gehabt. Ein altes, sehr liebes Pärchen, die kein Wort Englisch sprechen, ein 25-jähriger Ausbilder in einem Call Center für United Airways (er ist für den Amerika-Support zuständig, die haben das Indien ausgelagert), der natürlich perfekt Englisch spricht und ein Mann in den 40ern, der mich mit seinem Trainingsanzug und dem Schnauz an den Fußballtrainer Felipe Scolari erinnert. Eine Liege ist leer.
Ich habe am Anfang viel gelesen und mich dann mit dem Callcenter-Agent länger unterhalten. Seine Familie ist bei der Armee und er ist sozusagen das schwarze Schaf, da er als einziger einen zivilen Beruf hat. Dennoch ist er auf dem Weg zu einer Familienfeier. Mit meinem i-Pod im Ohr bin ich dann relativ schnell eingeschlafen und habe mehr oder weniger (wie das in einem Zug halt so ist) bis am nächsten Morgen bis 8:30 Uhr durchgeschlafen.
Die ersten 24 Stunden der Zugfahrt waren nicht weiter tragisch: viel lesen, mit den Mitreisenden schwätzen und essen. Von der Oma sind alle animiert worden viel zu Essen. Einmal Kekse, dann Obst oder selbstgemachtes Brot,… Wie Großmütter wohl auf der ganzen Welt halt so sind. Dann ist mir das Zugfahren aber schon auf den Keks gegangen. Mein Rücken hat mir vom vielen Sitzen wehgetan und ich konnte es kaum erwarten endlich in Ernikulam (am Ufer gelegene Stadt gegenüber von Cochi) anzukommen. Da der Zug um 5.30 Uhr am Bahnsteig an gekommen ist, habe ich noch 2 Stunden mit Lesen am Bahnhof todgeschlagen, damit ich Frühstücken gehen und mir im Anschluss ein Zimmer besorgen konnte.
Tag 12 und 13: Viel Geduld und verrücktes Mumbai
Oktober 3, 2008
Am Bahnsteig in Ahmedabad traf ich dann die genauso verschlafen dreinblickende Stefanie und wir haben uns gegenseitig über unsere Reisen „ausgehorcht“. Die Bewegungsgründe und warum gerade Indien etc. Im Gegensatz zu mir ist sie schon 10 Wochen unterwegs und noch bis Ende November hier. Es war richtig schön wieder einmal Schweizerdeutsch zu hören. So sind die drei Stunden Wartezeit auf den Zug nach Mumbai relativ rasch vergangen.
Das offene zweitklasse Abteil mit Klimaanlage ist den europäischen Bahnlinien in nichts nachgestanden, ganz im Gegenteil es hat sogar mehr Platz zwischen den einzelnen Sitzen. Aber wie immer wenn es eine Klimaanlage gibt, läuft die auf Hochtouren und es wird ziemlich kühl. Da braucht man dann schon einen Pullover… In indischen Zügen laufen die meiste Zeit Verkäufer herum und bieten Sachen wie Tchai, Kaffee, Softdrinks aber auch Eis, Schokolade, Snacks und auch ganzes Frühstück oder Mittagessen an. Die fahrenden Händler steigen teilweise an gewissen Stationen zu oder sie begleiten den Zug die ganze Strecke. Dann sind sie Angestellte der IRC (Indian Railway Company) und nicht so – sagen wir mal offensiv – beim Warenanbieten. Dadurch entsteht in den Zügen immer ein reges Treiben. Trotz der guten Unterhaltung mit meiner 20-jährigen Begleiterin haben sich die 9 Stunden nach Mumbai ordentlich in die Länge gezogen.
Nach der Ankunft in einer extrem hektischen Stadt haben wir uns entschlossen in einem indischen McDonalds Kraft zu tanken. Logischerweise gibt es kein Rind- (Kühe sind heilig – Hindus) und Schweinefleisch (Moslems nicht erlaubt). So gibt es nur Chicken-, Veggie- oder Lammburger. Stefanie ist laut eigenen Aussagen ein richtiger Fleischtiger und war schon Mäc, deswegen hat sie mir vom Lammburger abgeraten. Ein großes Menü mit zusätzlichem Burger kostet gerade einmal 130 Rupien (2 Euro etwas). Ach ja der Chickenburger schmeckt wie überall auf der Welt, aber der andere McIrgendwas war total indisch gewürzt…
Meine Schweizer „Freundin“ hatte schon ein Hotel inklusive Abholung am Bahnhof gebucht und ich habe mich entschieden auf gut Glück mitzufahren. Vielleicht gibt es in dem Hotel ja noch ein Zimmer. Nach über 2,5 Stunden Fahrt durch den strömenden Regen und das absolute Verkehschaos von Mumbai (im Gegensatz zu Delhi gibt es hier richtige Staus und nichts geht mehr) sind wir völlig erledigt im Hotel angekommen und es gab natürlich kein Zimmer mehr für mich. Ich konnte es kaum glauben, denn das Hotel hatte sehr viele Zimmer und wirkte nicht wirklich ausgebucht. Ich habe also mit dem Rezeptionisten ein bisschen diskutiert, aber die Inder wollen einen manchmal nicht verstehen. Stefanie war dann so nett mich bei ihr aufzunehmen. 90 % der indischen Hotels haben nämlich zwei getrennte Betten in den Zimmern (Mann und Frau müssen doch getrennt schlafen
), von dem her also kein Problem. Trotzdem absolut nicht selbstverständlich und ein sehr feiner Zug von ihr. Nach einer dringend notwendigen Dusche mit Generalsanierung sind wir noch an die Bar auf zwei Cocktails gegangen, denn die waren gleich „teuer“ wie Bier. Da die 16 stündige Reise von Udaipur nach Mumbai aber eher anstrengend war, sind wir noch vor Mitternacht ins Bett und haben beide tief und fest bis 9.30 Uhr durchgeschlafen. Da das Frühstück im Preis mitinbegriffen war, haben wir uns noch die Bäuche voll geschlagen und auf den Weg ins Zentrum gemacht.
Nach einer kurzen Taxifahrt zur S-Bahn-Station hat uns Indien wieder einmal volle Breitseite erwischt. Für ein U- oder S-Bahnticket musste man sich über 20 Minuten anstellen. Wir konnten unseren Augen kaum trauen. Soviele Inder in einer Reihe. Da hilft Geduld haben und sich hinten anstellen. Damit aber noch nicht genug. Die Vorstadtzüge von Mumbai sind für ihre Überfüllung bekannt. Ich war sehr froh meinen großen und mittlerweile vollen Rucksack bei Stefanie im Frauenwaggon, in dem es wesentlich zivilisierter zugeht, platzieren zu können. Im Gegensatz zu anderen Großstädten schließen sich die Türen der S-Bahn nicht und so springen noch viele Fahrgäste auf den bereits anfahrenden Zug auf und verursachen ein unglaubliches Gedränge. Ich hätte das gerne gefilmt, aber ich konnte mich nicht bewegen und/oder die Kamera einschalten. In den Haltestellen entsteht bleiben die Züge nicht komplett stehen, sondern rollen eher durch und man muss wirklich fast schon rabiat sein, um bei der richtigen Station aussteigen zu können. So entsteht bei jedem Stopp erneut ein Geschiebe und Gedränge. Platzangst darf man hier keine haben. Zum Glück sind wir bis zur Endstation gefahren (1 Stunde, gefühlte 3 Stunden) und hatten wenigstens beim Aussteigen keinen Stress.
Da in dieser Stadt alles so anstrengend und stressig ist, habe ich mich entschieden nur zum Gateway of India (Wahrzeichen der Stadt) zu fahren und mich dann direkt auf den Weg zum Bahnhof zu machen, in dem mein Zug um 16 Uhr in Richtung Kerala abfährt. Stefanie hat mich begleitet und wollte im Anschluß ein anderes Hotel suchen. Leider wurde das Gateway gerade renoviert und so sind wir einfach in das angrenzende Luxushotel „Taj Mahal“, das für seine schöne Architektur und die tolle Austattung bekannt ist, einen Happen Essen gegangen. Leckerer Büffelburger mit Dijon-Senf und Coke. Wir haben beide diesen luxuriösen, westlichen Snack unglaublich genossen. Dann war es an der Zeit uns zu verabschieden und wir haben – nach guter alter „Backpacker-Tradition“ noch ein Buch getauscht. Mein Martin Sutter gegen ihren Paolo Coelho. Ich bin dann zum wohl schönsten Bahnhof Indiens gefahren (Victoria Terminus, von einem Briten 1888 erbaut) und in den Zug gestiegen, der für die nächsten 36 Stunden mein „Zuhause“ war.
Tag 10 und 11: Udaipur – Von Palaesten und Fast Food
September 20, 2008
In Udaipur habe ich das bis jetzt mit Abstand schoenste Hotel gehabt. Nahe an einem der drei Seen gelegen, sehr sauber, ueberall im Zimmer schoene kleine Laempchen aus buntem Glas, die Maharadscha-Flair verbreiten, und ein bezaubender Erker, der mit einer Matrazen und Kissen aus gelegt war. Da hat nur noch jemand zum Kuscheln gefehlt, denn draussen ist nach meiner Ankunft ein Monsunregenschauer niedergegangen.
Nach einer kruzen Siesta sind Hariom und ich – passenderweise – zum Monsunpalast, oberhalb der Stadt auf einem Huegel erbaut, gefahren. Der ehemalige Sitz des Herrschers von Udaipur ist eher eine Ruine aber die Aussicht auf Udaipur mit den Seen und den Bergen rundum ist wirklich sensationell. Sehr viele Inder haben hier einen Ausflug heraufgemacht. Eine Gruppe maennlicher Jugendlicher wollte dann mit mir ein paar Fotos mit ihren Handys machen (bin ich ja mittlerweile ja gewohnt). Kurz danach ist auf einmal ein Security dahergekommen und wollte mein „camera ticket“ sehen. In Indien ist es ueblich, dass wenn man in gewissen Gebaeuden oder Sehenswuerdigkeiten fotografieren will, eine seperate Eintrittskarte fuer die Kamera loesen muss. Davon war aber hier beim Ticketschalter keine Rede. Ich hatte also kein Kameraticket, die Inder ringsum mich mit ihren Fotohandys aber auch nicht. Der Security wollte nun 200 Rupien von mir. Touristen sind es in Indien eh gewohnt, dass sie ein vielfaches des Eintrittspreises der Einheimischen bezahlen muessen. Aber ich wollte mich dann nicht schon wieder abzocken lassen. Ich habe also argumentiert, dass die Inder auch ein Ticket brauchen. Das wollte der Herr natuerlich nicht gelten lassen. Ausserdem habe ich ihm erklaert, dass ich sicher nicht fuer das fotografieren der Aussicht bezahlen werde und die Ruine des Monsunpalastes hat mich eh nicht interessiert. Er meinte, dass man hier auch fuer das Fotografieren der Landschaft bezahlen muss. Wie auch immer ich habe mich erfolgreich gewehrt und der Security ist schlussendlich abgezogen. 10 Tage Indien haben Spuren hinterlassen und ich lasse mir nicht mehr alles gefallen.
Am Abend habe ich meinen Fahrer in ein indisches Fast Food – Lokal eingeladen. Das its wie folgt abgelaufen. Man hat einen Tisch bekommen, das Trinken bestellt und dann sind nach dem Motto „all you can eat“ rund 20 Kellner mit unterschiedlichsten Speisen, Saucen, Beilagen und Brot herumgelaufen und haben das was man wollte auf dem grossen Silberteller vor einem platziert. Jeder Angestellte hatte nur eine Aufgabe bzw. nur eine Schuessel oder einen Teller und musste im fuer Nachschub auf allen Tellern sorgen. Dadurch ist natuerlich ein extremes Gewusel im Lokal entstanden. Und man ist wirklich fast zu seinem food gekommen.
Am letzten Tag meiner Tour durch Rajasthan und vor meiner Zugfahrt nach Mumbai war ich am Vormittag auf Sightseeingtour in Udaipur. Ein Fuehrer hat mir alle Highlights des „City-Palace“ erklaert:
So gibt es zum Beispiel eine Wand an der „Elefantenkaempfe“ zur Belustigung des Maharajas ausgetragen wurden. Dazu haben sich zwei Elefanten gegenseitig am Ruessel gepackt und – angetrieben von ihren Reitern – probiert den anderen an die Wand zwischen den beiden zu ziehen. Ungefaehr so wie Seilziehen fuer Elefanten. Der letzte solche „Kampf“ hat 1951 stattgefunden.
Die Koenigsfamilie lebt immernoch in einem Teil des Palastes und betreibt ueber ganz Indien verteilt eine Hotelkette. Andere Teile des Stadtpalastes sind ein Museum und Restaurants.
Der Palast von Udaipur muss das reinste Paradies fuer Kunststudenten sein, denn es gibt unzaehlige bis zu 300 Jahre alte Gemaelde, die auf Grund spezieller Techniken wie Fotos aussehen oder mit echtem Gold gemalt wurden. Alle Bilder sind trotz des hohen Alters sehr gut erhalten und sehen teilweise wie neu aus. Die Gemaeuer sind im Gegensatz zu anderen Palaesten sehr verwinkelt und eng gebaut, da Koenig Udai Singh Angst vor Invasoren hatte und so immer nur eine Person hinter der anderen laufen bzw. eindringen konnte.
Mein Tagesfuehrer hat mich anschliessend zu einem wunderschoenen Garten mit vielen Springbrunnen, die auf Grund des natuerlichen Wasserdruckes der Seen spritzen, „entfuehrt“. Dieses tolle, gruene Juwel in Mitten von Udaipur wurde fuer die Prinzessin errichtet, damit ihr nicht mehr langweilig ist. Leider haben die Seen derzeit nicht viel Wasser und die Brunnen schiessen nicht wirklich in die Hoehe. Aber der Park ist wirkich sehenswert.
Am Nachtmittag hat Hariom seine Klimaanlage zum dritten Mal reparieren lassen (jetzt wo sie mir nichts mehr nuetzt), damit er fuer die Heimfahrt nach Dehli (mindestens 12 Stunden) nicht ins Schwitzen kommt. Danach sind wir zusammen noch zum heimischen Basar und ich habe mir um nur 900 Rupien (15 Euro) ein Silberarmband gekauft. Bevor wir zum Bahnhof gefahren sind, haben wir uns noch einmal mit indischem „Fast Food“ auf der Strasse den Bauch vollgeschlagen. Der Abschied vom besten indischen Fahrer der Welt
ist mir am Bahnhof, dann doch schwer gefallen. Zuvor hat sich Hariom, perfekt wie immer, noch um das Zugticket nach Ahmedabad gekuemmert, denn ich war nur auf der Warteliste und das Reisebuero bzw. Tourist Information hat sich nicht wirklich darum gekuemmert. Mit ein paar Tricks und Baksheesh (Trink- bzw. Schmiergeld) habe ich 10 Minuten vor der Abfahrt doch noch eine Zugfahrkarte, zwar nur fuer die Holzklasse aber immerhin Schlafwagen, bekommen.
Schon am Bahnsteig habe ich einen Englaender und eine Schweizerin (Kanton Aargau) kennengelernt, die beide ebenfalls nach Ahdemabad bzw. Mumbai unterwegs waren. Die Zugfahrt ohne Klimaanlage und nicht einmal richtigen Fenstern im Waggon ist relativ schnell vergangen, da ich ein bisschen gelesen und den Rest geschlafen habe. So sind die 7 Stunden wie im Flug vergangen.
Tag 9 und 10: Kumbhalgarh und das Fort
September 16, 2008
Am naechsten Morgen sind wir die 55 Kilometer in Richtung Kumbhalgarh gefahren und tiefer in die Huegel und Berge hineingekommen. Die Strassen sind immer schmaeler geworden und haben am Schluss schon ein wenig an Passstrassen in den Alpen erinnernt. Ich habe mich natuerlich sehr wohl gefuehlt.
Das Fort von Kumbhalgarh liegt auf 1100 Metern Hoehe und ragt weit ueber alles ringsum hinweg. In den Befestigungsanlage selbst laeuft man noch circa 10 Minuten bis der hoechste Punkt, logischerweise der Palast, erreicht ist. Eine sehr angenehme Stille herrscht hier. Nachdem man in Indien nie alleine ist und ueberall Troubel und Laerm herrschen, habe ich es sehr genossen einfach im Gras zu sitzen und nichts zu hoeren. So gut wie keine Touristen, ab und zu einmal ein Windstoss – sonst Stille. Herrlich!
Das Fort selbst ist eher in einem schlechten Zustand, aber die extrem breite Mauer, die mit 36 Kilometern Laenge nach der chinesischen Mauer die zweitlaengste der Welt ist, ist sehr gut erhalten. Das liegt auch daran, dass das Kumbhalgarh nie eingenommen worden ist.
Eigentlich war fuer den Nachmittag eine Jeep-Safari geplant, die ist aber ins Wasser gefallen. So habe ich Tamira Paszek bei ihrem Sieg ueber Hantuchova im Halbfinale die Daumen gedrueckt und einen kleinen Spaziergang durch das Dorf gemacht. Abendgegessen habe ich in einem sehr kleinen, schwindligen Hinterhof-“Restaurant“ und anschliessend habe ich zwei ordentliche Schluck Whiskey genommen, um keine Probleme mit dem Magen zu bekommen. Davon bin ich abgesehen von ein paar ueblen Blaehungen, bei denen sich der ganze Bauch aufblaeht und hart wird (manchmal etwas schmerzhaft – aber immer nur kurz), zum Glueck verschont geblieben. Ich habe da schon ganz andere Geschichten gehoert…
Bei der Ruekkehr ins Hotel habe ich dann erfahren, dass es in Dehli Bombenanschlaege gegeben hat und das 36 Menschen getoetet und ueber 100 verletzt worden sind. Ein komisches Gefuehl wenn man genau vor einer Woche an den Plaetzen war, an denen jetzt von den indischen Muhadschedin (schreibt man das so?) 6 Bomben in mIstkuebeln gezuendet worden sind. So ist eine Bombe nahe des Reisebueros, in dem ich meine Rajasthan-Reise gebucht habe, explodiert und am Connaught Place, wo ich Abend gegessen habe, sind gleich 3 Sprengsaetze in die Luft gegangen…
Da die Safari auf den naechsten Morgen 5 Uhr verschoben wurde bin ich trotzdem zeitig ins Bett.
Zusammen mit zwei jugendlischen indischen „Fuehrern“ (ich glaube die Soehne des Hotelbesitzers) bin ich also sehr frueh in den Dschungel aufgebrochen um Leoparden, Panther oder aehnlich grosse, spannende Tiere in ihrer natuerlichen Umgebung zu sehen. Nach 3 Stunden Fahrt im Schritttempo auf sehr ueblen Wegen mit grossen Steinen, die sogar unserem Jeep Probleme bereitet haben, sind wir an einem schoenen See angekommen. Ploetzlich meint einer der Jungs zu mir, dass die Tiere auf Grund des Motorenlaerms das Weite suchen. Ach nein, wirklich? Vielleicht sollten sie sich dann eine Taktik ueberlegen…
Auf jeden Fall war ich zum zweiten Mal in einem Wildlife Resort und habe ausser Affen (die gibt es in Indien an jedem Eck) und einem Pfau (auch nicht gerade selten) nichts gesehen. Aber ich gebe nicht auf und werde in Kerala oder Bangalore noch einmal mein Glueck probieren. Nach einer Stunde Fahrt aus dem Dschungel zurueck nach Kunbhalgarh hat mich Hariom nach Udaipur gefahren. Waehrend der Fahrt bin ich oefter eingenickt, da der Tag ja frueh begonnen hat. Trotzdem habe ich die bergige Landschaft noch genossen.
Tag 8: Trekking in Ranakpur
September 14, 2008
Nach einer kruzen Nacht (1:30 ins Bett und kurz vor 6:00 Uhr auf) und wahrscheinlich zu viel Bier ging es gleich richtig los: Trekking im indischen Dschungel. Bei einer schoenen, aber schweisstreibenden Wanderung 3 Stunden ueber zwei Berge zu einem weit entfernten Tempel, war ich richtig in der Wildnis. Hier wurde das Dschungelbuch gedreht und wir haben oft Spuren von Panthern gesehen. Getroffen haben wir (ein Fuehrer aus dem Hotel und ich) zum Glueck keinen. So Auge in Auge mit „Baghira“ stelle ich mir nicht so lustig vor…
Der Tempel war sensationell in den Berg gehauen bzw. in Hoehlen platziert und man musste sich – wie so oft in Indien – in einer langen Schlange anstellen. Hier abseits von jeglichem Tourismus war ich die Attraktion und viele Inder wollten sich von und mit mir fotografieren lassen. Nach 15 Minuten warten konnten wir kurz in den „Haupttempel“, um einen roten Punkt auf die Stirn zu bekommen und sich segnen zu lassen. Mein Fuehrer war aus einem Dorf aus der Bergregion und wir haben eine Nachbarin aus seinem Dorf getroffen, die auf ihrem Kopf einen grossen Korb „Monkeyfruits“ (nicht so lecker und eine Mordssauerei) ueber 3 Kilometer durch das Gebirge zum Basar getragen hat. Es war wiklich sehr steil und ich war froh nichts schleppen zu muessen. Das junge Maedchen hat die Fruechte abgeliefert und sich dann wieder auf den Weg gemacht um Nachschub zu holen. Das macht sie bis zu vier Mal am Tag. Das Leben kann ganz schoen hart sein in Indien…
Fuer den Rueckweg ueber die Berggipfel war ich dann zu faul und wir sind mit einem Jeep-Taxi, in das so viele Fahrgaetse wie moeglich gestopft werden – allein auf der Fahrerbank sind wir zu fuenft gesessen, zurueck in die Stadtgefahren und mit einer Motorradrikscha ins Hotel gefahren. Nach einem kurzen Mittagsschlaf und ein bisschen Waschen (der Trick mit der Zahnseide als Waescheleine ist wirklich spitze), habe ich den Jain-Tempel fuer den Ranakpur bekannt ist besichtigt. Extrem viel Marmor und strenge Regeln, die vom Security-Personal auch im Inneren ueberwacht. Bei Missachtung gibt es zuerst eine Warnung per Trillerpfeiffe und dann ein Bussgeld. Der Tempel an sich ist wunderschoen mit tollen Verzierungen und Saeulen ohne Ende (laut Reisefuehrer 1444), aber die Stimmung ist naturelich nicht mit der im Bergtempel vom Vormittag vergleichbar. Viele Touristen, Extraticket fuer die Kamera und nervige Securities.
Es hat wieder einmal fuer 10 Minuten geregnet und so sind die Marmorstiegen zum Tempel hin sehr, sehr rutschig geworden. Zusammen mit ein paar indischen Touristen habe ich aus sicherer Entfernung mir einen Spass darausgemacht zu zuschauen wie ein Touri nach dem anderen auf dem Hosenboden gelandet oder sogar ein paar Treppen hinabgestuerzt ist. Unglaublich komisch. Zurueck im Hotel habe ich beim Abendessen einen 50-jaehrigen Deutschen kennengelernt, der nicht so ein grosses Glueck wie ich mit dem Fahrer gehabt hat. Sein Fahrer spricht sehr unverstaendliches Englisch und ist ein bisschen komisch. Ausserdem will er immer Trinkgeld und Extrabezahlung fuer einen Umweg. Aber ohne boese zu sein, denke ich, dass jeder den Fahrer bekommt, den er verdient
Ich glaube ich muss hier an dieser Stelle mal eine Lanze fuer die Inder brechen. Denn es klingt wahrscheinlich so, als ob alle nur die Touristen abzocken wollen. 90% sind nicht so und sind sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Leider gibt es vor allem in den Toristenzentren einige, die zu aufdringlich und geldgierig sind. Aber die meisten Inder sind sehr neugierig und stellen sehr viele Fragen: Aus welchem Land man kommt (Austria – no, no L and no kangaroos), wie lange man in Indien bleibt (only 3 weeks? that“s a short time for a big country), was man zu Hause arbeitet (aaah journalist – very good job) und wie es einem gefaellt. Vor allem am Land, wo nicht so viele Touristen hinkommen, rueckt man schnell in das Zentrum des Interesses. Da kann es schon mal sein, dass man von einer Traube von 10-15 Menschen umringt wird und 6 mal dieselben Fragen beantworten muss. Mir macht das aber nichts aus.
Tag 7: Pushkar und Danish Dynamite
September 13, 2008
Um 9 Uhr wurde ich von Hariom (mein Fahrer fuer Radjasthan) in die heilige Stadt gefahren und habe meinen Fuehrer fuer den Tag getroffen. Als erstes haben wir gleich einen der wichtigsten Hindutempel Indiens besucht. Er ist Gott Brahma gewidmet und daher sehr selten. Die meisten Tempel werden naemlich zu Ehren von Shiva, Ganesha oder Vishnu errichtet. Brahma ist der Schoepfer und wird meist mit vier Koepfen dargestellt. In den indischen Tempeln sind Touristen herzlich willkommen, fotografiert werden darf aber vor allem die Darstellung der Goetter nicht. Von aussen ist kein Problem.
Pushkar selbst ist eine kleine, nette Stadt mit einem Tempel in jedem Eck (angeblich ueber 400) und an einem heiligen See gelegen, den Brahma selbst erschaffen hat. Trotz extrem schlechter Wasserqualitaet baden und trinken viele Hindus in bzw. aus dem See, um sich von ihren Suenden reinzuwaschen. Fromme Hindus pilgern mindestens ein Mal in ihrem Leben nach Pushkar, um an einem der 52 Ghats (Treppen und Gebaeude direkt am See, die nur um zu beten erbaut wurden) ihre Gebete und Wuensche den Goettern zu uebergeben. Ein Brahmane betet zusammen mit Touristen ein Mantra und bittet die Goetter um ein langes, glueckliches Leben und wenn man noch nicht verheiratet ist, um eine Frau/Mann. Ich habe natuerlich auch fuer ein langes Leben fuer mich und meine Lieben gebeten und dafuer 1500 Rupien dem Guru bezahlt. Aber auch die Inder bezahlen in den Tempeln und den Brahmanen Geld, damit sich ihre Wuensche erfuellen. Zwar wahrscheinlich nicht so viel, aber egal. Der See und die ausgelassene Stimmung der Inder rund um Pushkar (und das obwohl Eier, Fleisch und Alkohol verboten sind) ist wirklich sehenswert.
Die Inder koennen das oft nicht verstehen, dass ich alleine reise und dass ich mit 27 immer noch keine Frau habe. Hier werden die meisten zwischen 20 und 25 verheiratet und sehen ihren Ehepartner oft bei der Hochzeit zum ersten Mal. Am wichtigsten ist, dass innerhalb der Kaste (obwohl das Kastensystem von der Regierung schon lange aufgehoben wurde und alle Inder die gleichen Rechte haben) geheiratet wird. In der Stadt gibt es manchmal eine „Liebesheirat“, auf dem Land ist das unmoeglich. Da kann es schon mal vorkommen, dass 6-Jaehrige miteinander verheiratet werden. Zusammengelebet wird dann aber “erst“ mit 16.
Am Nachmittag ging es dann auf eine 5 1/2 stuendige Fahrt nach Ranakpur Knapp vor unserem Ziel sind wir mitten in einer Prozession zu Ehren von Shiva gelandet. Ich habe noch nie in meinem Leben soviele Menschen auf einem Haufen gesehen. Geschaetzte 100.000 Inder, die sich von Kopf bis Fuss mit rotem Staub oder Puder eingerieben haben, sind zu einem Tempel gepilgert. Das war echt unglaublich ueberall Menschen und der Strom hat nicht aufgehoert. Wer die indischen Verkehrsgewohnheiten kennt, der kann sich vorstellen wie chaotisch es da zugegangen ist. Die Prozession hat uns ungefaehr eine Stunde gekostet. Aber Zeit spielt in Indien nicht so eine grosse Rolle. Nach der Ankunft im Hotel habe ich nach einem kurzen Spaziergang an einem See einen wunderschoenen Sonnenuntergang genossen und die Wasserbueffel beim Baden beobachtet.
Zurueck im Hotel (echt laessig mit kleinen Bungalows und viel Gruenflaechen und mitten in der Natur) habe ich zwei daenische Studentinnen kennengelernt, die drei Monate durch Indien touren. Zusammen mit 2 jungen Indern haben wir dann den ganzen Abend „Shithead“ (= beliebtes Kartenspiel unter „Backpackern“) gespielt und viiieeel Bier dazugetrunken. Es war eine Mordsgaudi.
Tag 4-6: Jaipur – That’s India
September 12, 2008
Die Hauptstadt Rajasthans ist bekannt fuer seine vielen Palaeste und die Verarbeitung von Edelsteinen. Jaipur wird auch „Pink City“ genannt, weil im Stadtzentrum innerhalb eines bestimmten Radius alle Haeuser – so wie die sieben Stadttore – rosa sein muessen. Dies wollte Sawai Jai Singh II so, der 1727 die Stadt kuenstlich erbauen liess. Die Nachfahren des Singhs (=Koenig) leben und regieren immer noch im City Palace, jedoch nicht mehr mit so einer Macht wie zu frueheren Zeiten.
Tag 1:
Am ersten von drei Tagen in Jaipur stand das traditionelle Sightseeing mit City Palace, Wind- und Wasserpalast (steht waehrend und nach dem Monsun komplett im Wasser eines Sees) mit samt Jantar Mantar auf dem Programm. Waehrend die Waffensammlung im Stadtpalast sehr beeindruckend ist (mit tollen Krummsaebeln und Schwertern, sowie Gewehren, die von drei Maennern gleichzeitig bedient werden mussten), erstaunt das Astrologische Zentrum Jantar Mantar direkt gegenueber mit dem Wissen der Maharadschas zu diesen Zeiten. Riesige Sonnenuhren (bis auf 20 Sekunden genau) und die genaue Beschreibung der Sternzeichen sind toll in Uebergroesse anzuschauen.
Das Sightseeing endete am Markt rundum den Badi Chaupar. Dort traf ich neben einer Post einen Inder, der mich bat einen Brief auf Deutsch fuer ihn zu schreiben. Da die Verkaeufer auf diesem Basar recht – sagen wir einmal offensiv – zu Werke gehen, war ich froh einem scheinbar normalen Menschen begegnet zu sein und konnte ihm diesen Gefallen nicht abschlagen. Ich schrieb also fuer ihn einen herzzerreissenden, schmalzigen Brief an eine gewisse Eva aus Karlsruhe. Als Dankeschoen wollte mich der aeltere Herr auf ein Bier in sein „Office“ einladen. Gegen ein gutes, indisches Bier ist doch nichts einzuwenden, oder?
Wie sich herausgestellt hat, war der Laden gar nicht seiner und zufaelligerweise einer der vielen Juweliere, bei dem ich als „Freund“ des Hauses natuerlich einen ausgezeichneten Preis bekommen wuerde. Das nenn’ ich mal eine gute Masche. Da ich schon im Shop war und zwei grosse Bier getrunken hatte, hat es mich in dem Moment gar nicht so gestoert, dass es Eva wahrscheinlich gar nicht gibt. Es kamen immer wieder Touristen in den Laden um billigen Silberschmuck zu kaufen. So fand eine toughe Spanierin mitsamt Freund den Weg in den Juwelier, die moeglichst keine Rupie zuviel bezahlen wollte und den Inhaber mit Ironie und Kaltschnaeuzigkeit zu einem guten Preis handelte, sodass der Shopbesitzer langsam grantig wurde. Danach kamen zwei Damen aus Ried im Innkreisund ich war froh wieder einmal Deutsch sprechen zu koennen. Nach den Verkaufsgespraechen erklaerte mir der Juwelier, dass er eigentlich Brahmane (=oberste indische Kaste) ist und Handlesen und die Astrologie seine eigentliche Berufung ist. Ich hab’ ihm also meine rechte Hand entgegengestreckt und mich „analysieren“ lassen. NItesh, wie der Juwelier/Guru hiess, hat eigentlich recht gut ins Schwarze getroffen, sei es mit Glueck oder durch Koennen. Der Brahmane stellte ausserdem eine Blockade in meinem Kopf-Chakra fest durch die ich Energie verliere. Mit einer Zeremonie, bei der er betete und Goettin Shiva um Hilfe bat, und einem Monat keinen Sex, keinen Alkohol und kein Fleisch ab dem 21. Oktober koenne er das Ganze aber beheben. Nitesh verdunkelte den Laden, legte seine Hand vor meine Stirn, murmelte ein paar Woerter und gab mir ein Mantra mit auf den Weg. Waehrend er mich so „therapierte“ wurde meine Stirn ganz heiss und ich fuehlte mich danach sehr offen und froehlich. Spaetestens jetzt war ich wirklich in Indien angekommen. Da es schon dunkel geworden war liess ich mich von meinem Phat-Phat-Fahrer, der glueklicherweise auch 4 anstatt der verabredeten Stunde gewartet hatte, wieder ins Hotel fahren. Dort fiel ich nach dem langen anstrengenden Tag nur mehr voellig erledigt ins Bett.
Tag 2:
Am zweiten Tag in “Pink City“ liess ich es etwas ruhiger angehen und schlief etwas laenger. Am Nachmittag ging es zum Fort nach Amber, der ehemaligen Hauptstadt kurz vor den Toren von Jaipur. In einem wunderschoenen Palast lebte einst ein Singh mit seiner Koenigin, die zu faul war selber zu lufen und sich deshalb in einem vorzeitlichen Rollstuhl herumschieben liess, je nach Jahreszeit in einem anderen Teil seines Forts. Alles sehr schoen verziert mit erstaunlichen technischen Errungenschaften fuer die damalige Zeit. So hatte der Sommerpalast aus weissem Marmor eine integrierte Kuehlung mit Regenwasser im Dach eingebaut, durch die je nach Temperatur mehr oder weniger Wasser an den Waenden entlang lief. Die Gemaecher der Koenigsfamilie hatten zudem eine natuerliche Klimaanlage, in der Wasser und Luft zirkulierte, bei Bedarf auch Parfum fuer einen guten Geruch hinzugefuegt werden konnte. Und das alles im 18. Jahrhundert. Das Amber Fort ist zusammen mit dem Taj Mahal das schoenste Monument, das ich bis jetzt in Indien besichtigt habe. Traumhaft in den Huegeln von Jaipus gelegen, tolle Befestigungsanlagen und nahezu uneinnehmbar. Leider wurden auch hier – wie in so vielen Sehenswuerdigkeiten – von Seiten der Regierung Renovierungsarbeiten durchgefuehrt, so dass nicht Alles begehbar war.
Ueber dem Amber Fort liegt eine weitere Befestigungsanlage, in der die groesste Kanone auf Raedern der Welt steht. Abgefeuert wurde „Jai Van“ allerdings nur einmal zu Testzwecken, aber das Geschoss ist 35 Kilometer entfernt eingeschlagen. 4 Elefanten waren noetig, um die Kanone in die richtige Position zu bringen. Nachdem die Lunte angezuendet worden war, hatten die Kanoniere 2 Minuten Zeit um in einen extra dafuer angelegten Teich zu springen, damit sie sich unter Wasser befanden als die Kanone losging und sie nicht taub wurden.
Auf dem Weg ins Hotel fuhren wir noch beim „Monkey-Tempel“ vorbei, der auf einem Huegel ueber der Stadt zu Ehren von Gott Hanuman errichtet worden ist und von rund 100 Affen bewohnt wird. Das Wetter war bis jetzt immer sehr schoen mit Temperaturen zwischen 30 und 37 Grad. Aber schon nach ein, zwei Tagen habe ich mich an die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze gewoehnt. Am „Affenberg“ hat es dann ploetlich begonnen zu regnen. Es ist ja eigentlich noch Monsun (Juni-Oktober) und in der Nacht regnet es oefter. Am Tag merkt man bis auf ein paar kleine „Teiche“ auf den Strassen jedoch nichts mehr. Das Sommergewitter hat den Affen zwar nicht gefallen, aber ich hab die kleine Abkuehlung richtig genossen. Die Inder freuen sich immer ueber Regen, der diesjaehrige Monsun ist aber leider in Rajasthan nicht wirklich ergiebig.
Am Abend bin ich dann ins Kino gegangen, einen richtigen Bollywood-Blockbuster anschauen: „Singh is King“. Sehr unterhaltsam und Actiongeladen, lustig und ein tolles Erlebnis, obwohl ich kein Wort verstanden habe. Mein Hindu laesst naemlich zu wuenschen uebrig. Bis auf „Namaste“ (Guten Tag), „Dandevan“ (Dankeschoen), „Chipagli“ (Gecko) und den beiden Brotsorten („Naan“ und „Chapati“) kann ich mir fast nichts merken. Abendgegessen habe ich zusammen mit meinem Fahrer Hariom, der sehr gut auf mich aufpasst, auf der Dachterasse unseres Hotels. Leckeres „Chicken Tandoori“. Wobei ich am indischen Essen das Brot und die Saucen, die als Beilagen dienen, am meisten mag. Die Vegetarischen Speisen sind durch das Gemuese, den Frischkaese und die fremden Gewueze oft so lecker, dass man eigentlich gar kein Fleisch braucht.
Tag 3:
Den dritten Tag in Jaipur habe genuetzt meine Notizen in einem Internetcafe in den Computer zu tippen, wobei mich die Tastur fast in den Wahnsinn getrieben hat und mich allein die ersten drei Tage drei Stunden gekostet haben. Beim Auschecken hat mich der Hotelmanager gebeten noch schnell mal drei Fotos von den Zimmern zu machen, die dann fuer das neue Prospekt verwendet werden koennen. Ich habe zwar nur die JVC Videokamera dabei, aber die Fotos koennen gar nicht schlechter als die derzeitigen sein. In Anschluss daran sind wir rund 4 Stunden nach Pushkar gefahren. Die heilige Stadt der Hindus werde ich mir aber erst morgen anschauen. Den ersten richtig ruhigen Tag auf meiner Indienreise habe ich in einem gemuetlichen Gartenrestaurant mit Bier und einer leckeren Spinat-Kaese-Speise ausklingen lassen.
Tag 3: Glück ohne Ende
September 9, 2008
In Fatehpur Sikri lebte einst ein heiliger, weiser Mann namens Selim, der dem damaligen König (dem Großvater des Taj Mahal – Erbauers) einen Sohn geschenkt hat. Naja nicht ganz. Der Mogulherrscher hatte drei Frauen (eine Hindu, eine Muslimin und eine Christin) und keine gebar ihm ein Kind. Da dies für Herrscher aber sehr wichtig war und ist, bat er Selim zu Hilfe.
Und siehe da die Muslimin schenkte ihm einen Sohn. Deshalb liess der glückliche Herrscher die Gedenkstätte in Fatehpur Sikri erbauen und schenkte sie seinem Retter. Die Nachfahren Selims betreiben das Monument immer noch und ich durfte, nachdem ich „freiwillig“ einen Betra gespendet hatte, am Grabe Selims drei Wünsche aeussern, die laut Führer zu 100% in Erfüllung gehen; Ich bin ja schon mal gespannt.
Danach sind wir auf dem Weg in den Nationalpark noch schnell bei einer 1000 Jahre alten, in den Stein gehauenen „Badeanstalt“ eines Maharadschas vorbeigefahren. Nicht schlecht für damalige Zeiten. Tempel und 20 Kilometer Fluchttunnel inklusive. Da der Rhantambhore Nationalpark in der Regenzeit (Juni-Oktober) nur teilweise geöffnet ist, war leider keine Tigersafari moelich. Dennoch hat mir ein sehr netter Führer (ich kann mir indische Namen leider überhaupt nicht merken), das Fort und einen Hindu-Tempel gezeigt. Herrliche Aussicht, faszinierender Glaube. Und: ich habe meinen ersten roten Punkt auf die Stirn bekommen. Ein Priester hat mich im Namen von Göttin Ganesha und ihrem Vater „gesegnet“. Einen Stofffaden, der rot auf Haut und Kleidung abfärbt, hat man mir auch noch ans Handgelenk gebunden. Den muss man solange dranlassen is er von selbst abfällt. Das bringt Glück!
Ach ja, in der Früh habe ich einen kleinen Steinelefanten erstanden, denn das bringt nämlich – erraten – Glück. Mensch, wahnsinn wie viel Glück ih der nächsten Zeit haben werde. Abendessen war ich in einem echten Einheimschen-Lokal. Lecker Knoblauch-Naan (=spezielles Brot) mit Chili-Kaese-Irgendetwas (diese indischen Wörter bleiben einfach nicht in meinem Gehirn hängen). War auf jeden Fall ausgezeichnet, viel und günstig: 300 Rupien. Jetzt sitze ich in meinem Zimmer und trinke mein Whiskey-Cola mit dem indischen Whiskey, den mir mein Fahrer geschenkt hat. Da der Fernseher nicht geht werde ich früh schlafen gehen und mich von den Moskitos, die hier in der Dschungelregion auch in den Gebäuden sind, fressen lassen.
Tag 2: Der schönste Liebesbau aller Zeiten
September 8, 2008
Zwischen 4 und 5 Stunden Autofahrt liegen zwischen Delhi und Agra im Westen des Bundesstaates Uttar Pradesh. Eine abenteuerliche Reise entlang von Märkten, Autobahnen, auf denen alle möglichen Tiere laufen, LKWs mit mehr wie einem Dutzend Menschen auf dem Dach fahren; und einem Strassenrand, der zum Himmel stinkt. Allein Autofahren ist in Indien schon spannend. Generell darf man hier kein emfindliches Näschen haben. (Fast) überall stinkt es nach Fäulnis, Exkrementen, Tieren, Feuer, Essen und undefinierbaren Dingen. Meinem Fahrer wurde in der Nacht auf heute die Seitenscheibe des Autos eingeschlagen, sodass wir einen Zwischenstopp bei einem Glaser (ja einem Glaser, keinem Automechaniker) machen mussten. Innerhalb von 5 Minuten Verhandeln und 10 Minuten Einbauen war das Ganze erledigt. Dafür ist bei der Fahrt zum Taj Mahal die Klimaanlage kaputtgegangen. Das Mausoleum, das der Mogulherrscher Shah Jan für seine Zweit- und Lielingsfrau Mumtaz Mahal errichten ließ, ist wirklich unbeschreiblich schön und nicht umsonst eines der 8 Weltwunder. Anfangs war ich etwas skeptisch, aber wenn man vor dem völlig symmetrischen, 81 Meter hohen Gebäude aus weissem Marmor, das von 20.000 Arbeitern in 22 Jahren errichtet wurde, steht und die einzelnen im Marmor eingelegten Bumenblüten aus Halbedelsteinen sieht, dann ist das schon sehr beeindruckend. Für seine tote Frau investierte der Maharadshazu damaligen Zeiten 41 Millionen Rupien. Alles ist mit einer unglaublichen Liebe zum Detail erbaut worden und steht im völligen Kontrast zum restlichen Indien. Einzig die Postkartenverkäufer, aufdringlichen Bettler und professionellen Fotografen tun auch hier den Touristen lästig. Und ja, ich bin natürlich wieder einmal guter Tourist gewesen und habe 20 strange Fotos von mir vor dem Taj Mahal machen lassen. Mein Fahrer hat mich mitsamt Führer mit dem Motorrad abgeholt, denn das Auto war in der Werkstatt, um die Klimaanlage reparieren zu lassen. So ging es zu dritt auf einem Motorrad durch den halsbrecherischen Verkehr. Nach den ersten Schrecksekunden mit zwei Beinahe-Kollisonen gewöhnt man sich daran. Die Inder sind ja dafür bekannt alles mögliche auf die Motorräder und Fahrradrikschas zu packen. So habe ich schon ganze Familien (Eltern und 4 Kinder) auf einem Motorrad oder einen Rikschafahrer beladen mit tonnenschweren Eisenteilen gesehen. Nach so einer Fahrt kann an das indischen Essen noch ein wenig mehr genießen. Morgen geht es über Fatehpur Sikri in den Ranthambhore Nationalpark! P.S.: Unter meinem Bett hat heute Nacht ein 10 Zentimeter langer Gecko (oder so etwas ähnliches) geschlafen. Zum Glück habe ich ihn erst am nächsten Morgen entdeckt, sonst hätte ich wohl kaum ein Auge zugetan. Generell hatte ich bis jetzt – auf Holz klopf – mit meinen „Mitbewohnern“ ziemliches Glück. Ein paar Käfer, Ameisen und Kakerlaken. Aber nicht der Rede wert.
Tag 1: Quentin-Tarantino-Taxi-Ride
September 7, 2008
Unmittelbar nach der Ankunft am International-Airport in Delhi, habe ich Geld gewechselt und mir ein Taxi gesucht. Wenn man um 2 Uhr in der Frueh landet hat es den Vorteil, dass es keinen so grossen Andrang gibt und man sich in Ruhe den Taxifahrer seines Vertrauens aussuchen kann. Ich habe also einen Herrn gebeten mich in Richtung Zentrum zu fahren, als er mir erklaert, dass sein Taxi etwas weiter abseits steht, aber dafuer sei es nigelnagelneu. Ich steige also in das Taxi ein, als ploetzlich ein zweiter Inder auf dem Beifahrrsitz einsteigt.Und komischerweise ist das Auto komplett mit durhsichtigen Plastikplanen ausgekleidet. Irgendwie ist mir da Quentin Tarantino eingefallen und ich habe mir in meinem Gehirn zusammengereihmt, dass die zwei Jungs mich jetzt um die Ecke bringen werden. Damit es keine so grosse Sauerei gibt, ist es alles mit Plastik ausgelegt. So war es dann doch nicht und auf der ca. 30-minütigen Fahrt hat sich herrausgestellt, dass die beiden sehr nett waren und mir sogar noch geholfen haben ein Hotel zu finden. Der zweite ist eingestiegen, da der Fahrer nicht so gut Englisch gesprochen hat.
Indien hat mich erwischt. Trotz Vorbereitung, Internetrecherche und Reisefuehrer, bin ich am ersten Tag nach einer kurzen Nacht auf Grund des Laerms und der Hitze gleich in Touristenfallen getappt. Rupien scheinen manchmal etwas mehr und manchmal fast nichts wert zu sein. Ein Führer bei der Jami Mashid (grösste Moschee Indiens) will bei meiner Sightseeingtour durch Delhi für 5 Minuten „Führung“, bei der er immer wieder die Sätze an verschiedenen Orten der Moschee wiederholt hat, 650 Rupien, waehrend ein Rikshafahrer, der mir wirklich etwas über „Old Delhi“ erzaeht hat und mich 20 Minuten in die verwinkelsten Gassen gebracht hat, mit 250 Rupien zufrieden ist. Mein Taxifahrer hingegen ist mit 50 Rupien reinem Trinkgeld nicht zufrieden. Sehr komisch.
Heftig sind auch die bettelnden Kinder in den Strassen oder Alten vor der Moschee, welchen teilweise ein Teil der Arme oder Beine oder gar beide Knöchel fehlen. Da kommt man schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Das Schwierige ist man kann nicht allen etwas geben und die Frage ist, ob es ihnen überhaupt hilft…
Der Verkehr in Indien ist der absoute Wahnsinn: Fahrradrikschas, Taxis, Paht-Pahts (dreiraedrige Mopeds, die meist mit Gas angetrieben werden), Busse, Motorradfahrer und Autos rasen ohne jegliche Regeln – ausser vielleiht dem Linksverkehr und das auch nicht immer – einzuhalten in Zentimeterabständen aneinander vorbei. Berührungen der einzelnen Verkehrsteilnehmer gibt es oft. Unfälle haber ich erstaunlicherweise erst einen gesehen. Und da wurde nur ein Motorradfahrer niedergestoßen. Nicht wirkich filmenswert. Gehupt wird immer und überall, ganz nah dem Motto: „Achtung, hier komme ich!“. Achja dazwischen streunen noch Ziegen, Esel, Affen, Schweine, Kuehe, Wasserbüffel und Hunde im Verkehr umher. Alle bis auf die Kühe und Bueffe wissen genau, das auf sie keine Rücksicht genommen wird. Die Kuehe hingegen können in aller Seelenruhe auf den Strassen flanieren und ziehen so manche Vollbremsung nach sich. Und das obwohl die Kühe, bei der Bevölkerung nicht mehr so heilig sind.
Eine wirklich schlechte Nachricht, bis auf die, dass die Inder mir das Ged aus der Tasche ziehen, gibt es auch noch: In den nächsten 6 Tagen sind alle (!!!) Züge nach Jaipur ausverkauft. Kaum zu glauben bei täglich über 10.000 verschiedenen Zuegen in ganz Indien. Aufgrunddessen habe ich mich dazu entschieden Rajasthan per Auto und mit Fahrer zu bereisen. Nicht ganz billig, aber was solls. Die Touristeninformation, die scheinbar eine einzige Mafia bestehend aus Menschen aus Kaschmir ist, hat mir natuerlich auch noch Agra mitsamt Taj Mahal ans Herz gelegt. Man kann ja schliesslich nicht nach Indien kommen und dann das Weltwunder nicht bestaunen. Morgen geht es los: Zuerst nach Agra, dann in den Ranthambhore Nationalpark. Anschließend nach Jaipur und Chittorgarh. Über Udaipur geht es dann nach 10 Tagen mit dem Zug nach Mumbai. Eine Reservierung für den Zug habe ich schon.